Historische Fenster und der Denkmalschutz

 

Die Stimme des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz:


  1. „ Denkmalpflege arbeitet an den Entscheidungen der Gesellschaft über den Umgang mit ihrer gebauten Umwelt mit. Sie ist dabei gleichsam der Anwalt der Denkmale, die unserer Generation nur kurzzeitig überantwortet sind und die wir an kommende Generationen möglichst ungeschmälert weiterzugeben verpflichtet sind. Auch in Zeiten, in denen die Wertsetzungen der Gesellschaft für die Bewahrung von geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Zeugnissen nicht günstig sind, ist es für die Denkmale wichtig, einen solchen Anwalt oder Fürsprecher zu haben.“ (Kursbuch Denkmalschutz. Hrsg. Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, Bonn 2002, S. 9, ISBN 3-922153-08-9)



Die Stimme der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland:


  1. „ Kein Bauteil hat eine ähnliche umfassende Wirkung für die architektonische Erscheinung wie das Fenster. (...)

  2. Man sollte annehmen, dass Bauelemente mit solcher Dichte historischer Aussagen [wie Fenster] auch eine besondere Wertschätzung und Fürsorge der Eigentümer genießen. Das ist bisher aber nur selten der Fall; das Verständnis für den Wert historischer Fenster scheint eher unterentwickelt zu sein. Die heute übliche Sichtweise bleibt im Allgemeinen auf eine oberflächliche Aufnahme des Erscheinungsbildes begrenzt. Einzelheiten der Konstruktion und der formalen Durchgestaltung im Detail, die den Wert einer konkreten Einzellösung ausmachen, bleiben dabei weitgehend außer acht. Dementsprechend wird in großem Umfang Bestand vernichtete und gegen Serienprodukte ausgetauscht, deren standardisierte Profile und Sprossenteilungen den Reichtum und die Aussagevielfalt der historischen Fenster auch nicht annähernd vermitteln oder gar ersetzen können.“


  1. „ Der am meisten genannte Grund für den Austausch historischer Fenster ist die beabsichtigte Verbesserung des Wärmeschutzes. Die Energieeinsparungsmöglichkeiten werden jedoch häufig stark überschätzt.


  1. „ Die Argumentation von Fachfirmen wird naturgemäß auch durch deren spezifische technische Möglichkeiten und wirtschaftliche Interessen mitbestimmt. Der Einbau moderner Fenster ist einfacher und für die Firmen in vielen Fällen gewinnbringender als Reparatur und Umbau.“


  1. „ Wärmedämmung ist kein Selbstzweck, sie sollte nur dann ausgeführt werden, wenn sie auch wirtschaftlich vertretbar ist, und sie darf nur so ausgeführt werden, dass sie den Bestand nicht gefährdet. Dazu bietet sich in aller Regel die Ergänzung durch innenseitig in der Laibung vorgesetzte Zweitfenster oder der Umbau in Kastenfenster an.“


  2. (VEREINIGUNG DER LANDESDENKMALPFLEGER IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

  3. Arbeitsblatt 08

  4. Hinweise für die Behandlung historischer Fenster bei Baudenkmälern

  5. Stellungnahme der VLD, erarbeitet im Frühjahr 1991 von der Arbeitsgruppe Bautechnik

  6. Problembeschreibung und denkmalpflegerische Zielsetzung)




Die Stimme des Fachmannes für die Instandsetzung historischer Fenster:


  1. Denkmalwert historischer Fenster

  2. Wegen seiner Komplexität ist der Fensterverschluss ein wichtiger Informationsträger in kunst- und bauhistorischer Hinsicht. (...) Fensterverschlüsse gehören in der Regel zu den besonders wichtigen Teilen eines historischen Gebäudes. Ihre Bedeutung und Erhaltungswürdigkeit stehen damit prinzipiell außer Zweifel. Der eingehenden Rechtfertigung bedarf deshalb immer die Erneuerung originaler Fenster und nicht, wie heute oft üblich, ihre Erhaltung und behutsame Reparatur. (S. 19)


  3. Erhaltung historischer Fenster

  4. Allgemeine Ziele und Grundsätze

  5. Sinn und Zweck des Denkmalschutzes wie der denkmalpflegerischen Maßnahmen ist stets die weitest mögliche Erhaltung der historischen Substanz oder, mit anderen Worten, die nachhaltige Verlängerung ihrer Lebensdauer, ohne dabei jedoch ihre wesentlichen Eigenschaften und Merkmale zu verändern oder gar zu zerstören. (S. 21)“.

  6. (Wolf Schmidt: Reparatur historischer Holzfenster. In: Denkmalpflege Informationen. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2004, ISSN1617-3147)

















   














                

Das deutsche Handwerk und der Denkmalschutz




Die Stimme des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks:


Sogar der Zentralverband des Deutschen Handwerks, in dem die 53 Handwerkskammern in Deutschland zusammengeschlossen sind, weist auf die Gefahren im Umgang mit historischer Bausubstanz hin. Nicht alles, was technisch möglich, politisch gewollt, staatlich verordnet und für „Sanierer“ wirtschaftlich lukrativ ist, ist auch im Sinne des Schutzes von Kulturdenkmalen. Hinter der Bezeichnung „denkmalgerechte Sanierung“ verbirgt sich meistens das Ende des Denkmalwertes eines Gebäudes. Umso bedeutender ist die (Selbst-)Kritik aus der Interessenvertretung des deutschen Handwerks. (Hervorhebungen: Die Fensterhandwerker)


  1. Das Dilemma der Energieeinsparverordnung in Bezug auf Baudenkmale und erhaltenswerte Bausubstanz ist, dass sie alte Gebäude mit der Philosophie für zeitgemäße, umweltgerechte Neubauten konfrontiert. Für das Baudenkmal jedoch bedeutet die uneingeschränkte Anwendung der modernen Dämmstrategien Risiken und Schäden bis hin zum Totalverlust einzelner Bauteile.


  1. „ Erhalt und Pflege von historischen Gebäuden sind im Sinne einer Energiebilanz nachhaltiger als Abriss, Entsorgung und Neubau. Auch die Wiederverwendung gebrauchter Bauelemente schont die energetischen Ressourcen. Da die Berechnungen nach der EnEV sich nur auf den laufenden Betrieb der genutzten Gebäude beziehen, werden der Energieaufwand für umweltgerechte Entsorgung abgerissener historischer Bauteile und des dadurch anfallenden Bauschutts sowie Aufwendungen zur Herstellung der empfohlenen neuen Bauteile und Baustoffe nicht mit berücksichtigt.


  1. „ Wenn historische Gebäude den Anforderungen der EnEV entsprechend luftdicht aufgerüstet werden, z. B. durch den Einbau von modernen Isolierglasfenstern (...), kann es zu kritischen relativen Raumluftfeuchten von über 50 Prozent in den kalten Wintermonaten kommen.“


  1. „ Durch substanzerhaltende Sanierungsmaßnahmen können im gesamten Altbaubestand beträchtliche Wertsteigerungen erreicht werden und gleichzeitig wird den Orten ein unverwechselbares Erscheinungsbild verliehen. Diese Einwände sprechen dafür, die noch existierende historische Bausubstanz nicht dem Primat des Klimaschutzes zu opfern.“

  2. (Zentralverband des Deutschen Handwerks: Viel Konfliktpotential: Denkmalpflege gegen Klimaschutz.)



  1. „ Dass traditionelle Baumaterialien und Techniken umweltverträglich und nachhaltig sind, haben sie über Jahrhunderten bewiesen. Wer historische Gebäude erhält, nutzt bereits vorhandene Ressourcen und braucht keine Energie, um neue Materialien herzustellen, von denen man nicht weiß, wie schädlich sie vielleicht sind.“


  1. „ Nur wenn der Denkmalmarkt funktioniert, kann das Fachwissen angewandt und an künftige Generationen weitergegeben werden – das hat die Nachkriegszeit gelehrt. Wird die Nachfrage nicht stimuliert, bricht der Markt ein. Die Folge ist der Verlust von Baudenkmalen, Geschichte, Wissen, Kompetenzen und tausenden von Arbeitsplätzen.“


  1. Seit einigen Jahren werden auch die Aufgaben der Denkmalämter beschnitten. Stellen werden abgebaut und die Zuschüsse, die die Ämter vergeben, werden gestrichen. Diese Politik signalisiert, dass die Denkmalpflege hinter andere Interessen zurückzutreten hat.


  1. In Deutschland fehlt derzeit die Weitsicht, die Denkmalpflege als Zukunftsmarkt wahrzunehmen, zu erforschen und zu fördern. Dabei liegen hier die Dinge weitaus günstiger, und entsprechend größere wirtschaftliche Effekte stehen zu erwarten.

  2. Die Aufgabe, für die Denkmalpflege zu werben, den Markt zu erforschen und zu fördern betrifft die ganze Gesellschaft, nicht nur das Handwerk. Schließlich geht es um unsere Kultur, unsere Geschichte – und unsere Zukunft in Deutschland.“

  3. (Zentralverband des Deutschen Handwerks: Restaurator: Bewahrer des baulichen Kulturerbes)


  4. Hier droht ein unwiederbringlicher Verlust an Wissen und Können – an jenem handwerklichen immateriellen Kulturerbe, das das materielle Kulturerbe vielerorts hervorgebracht und über Jahrhunderte bewahrt hat. Hier ist politisches Umdenken gefordert. (…) Um das handwerkliche immaterielle Kulturerbe für die nächsten Generationen [zu] bewahren und  weiter[zu]entwickeln, sind zudem grundlegende Forschungsarbeiten und Innovationspotential seltener und denkmalrelevanter Handwerkstechniken erforderlich.“

  5. (Zentralverband des Deutschen Handwerks: KOMPAKT, September 2015)


  6. Siehe hierzu auch: Fensterhandwerk und traditionelle Handwerkstechniken








 

 

ⓒ Marten 2012

„Na - windgeschützt ?“                  „Nee - denkmalgeschützt !“

Das „Alte Haus“ in Bacharach, 1568 erbaut, steht im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Die historischen Fenster wurden im Jahr 2004 von einem Fensterhandwerker mit traditionellen Handwerkstechniken und historischen Materialien in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Die wiederhergestellte historische Farbfassung mit traditioneller Leinölkonservierung und echter Leinölfarbe ohne Lösemittel zeigt sich im Jahr 2014 noch in hervorragendem Zustand.

Diese historischen Fenster können mit einer gelegentlichen Pflege mit Leinöl sehr viel älter werden als jedes neue Fenster.